Kardiologie und Herzchirurgie
Ziel. Dieser Leitfaden erklärt, wie Kardiologie und Herzchirurgie zusammenarbeiten, wenn Sie eine Behandlung in einem großen medizinischen Zentrum planen. Sie erfahren, welche Untersuchungen wichtig sind, welche Therapien häufig eingesetzt werden, wie Kliniken Risiken minimieren und wie die Erholung abläuft. Die Informationen sind klar und sachlich formuliert, damit Sie fundierte Entscheidungen treffen können.
Was die Kardiologie umfasst
Kardiologie befasst sich mit Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße. Viele Behandlungen erfolgen medikamentös oder minimalinvasiv. Typische Gründe für einen Termin sind Brustschmerz, Atemnot, Herzstolpern, geschwollene Beine, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder Ohnmacht. Wenn ein Eingriff nötig wird, arbeitet die Kardiologie eng mit interventionellen Spezialisten und Herzchirurgen zusammen. Dieses koordinierte Vorgehen wird oft als Herzteam bezeichnet.
Was die Herzchirurgie umfasst
Die Herzchirurgie kommt zum Einsatz, wenn eine Reparatur oder ein Ersatz direkt am Herzen erforderlich ist. Dazu zählen Bypass-Operationen bei verengten Herzkranzgefäßen, Klappenrekonstruktionen oder Klappenersatz sowie Eingriffe an der Hauptschlagader. Viele Verfahren können heute auch über Katheter durch kleine Hautzugänge erfolgen. Diese Behandlungen finden in Hybrid-OPs oder spezialisierten Herzkatheterlaboren statt, in denen Kardiologie und Chirurgie gemeinsam arbeiten.

Erste Schritte: Anamnese, Untersuchung und gezielte Tests
Am Anfang stehen genaue Fragen und eine körperliche Untersuchung. Dauer, Auslöser und Begleitsymptome geben wichtige Hinweise. Danach folgen Basisuntersuchungen wie EKG, Bluttests inklusive hochsensitivem Troponin bei Verdacht auf Herzinfarkt und eine Echokardiografie zur Beurteilung von Herzmuskel und Klappen. Je nach Situation ergänzen Belastungstests oder eine Koronar-CT die Diagnostik. Ziel ist es, nur Untersuchungen einzusetzen, die die Therapieentscheidung beeinflussen. Das ist Kern der modernen Kardiologie.
Häufige Erkrankungen einfach erklärt
Verengte Herzkranzgefäße. Ablagerungen können die Gefäße einengen, die den Herzmuskel versorgen. Beschwerden treten oft bei Belastung auf. Medikamente und Lebensstiländerungen sind der erste Schritt. Bei hohem Risiko oder anhaltenden Symptomen kann ein Stent eingesetzt werden. Bei komplexen Befunden empfiehlt sich manchmal eine Bypass-Operation. Die Entscheidung trifft das Herzteam gemeinsam mit Ihnen.
Klappenerkrankungen. Herzklappen können undicht oder verengt sein. Atemnot und Leistungsabfall sind typische Zeichen. Neben chirurgischem Ersatz gibt es kathetergestützte Verfahren wie TAVI bei Aortenklappenstenose oder Clip-Verfahren bei Mitralklappeninsuffizienz. Auch für die Trikuspidalklappe stehen neue Optionen zur Verfügung. Bildgebung und individueller Gesundheitszustand bestimmen das Vorgehen. Hier arbeiten Kardiologie und Chirurgie eng zusammen.

Herzrhythmusstörungen. Vorhofflimmern ist häufig und erhöht das Schlaganfallrisiko. Die Behandlung umfasst Blutverdünnung, Frequenz- oder Rhythmuskontrolle sowie die Reduktion von Risikofaktoren. Wenn Medikamente nicht ausreichen, kann eine Katheterablation helfen. In bestimmten Fällen sind Herzschrittmacher oder Defibrillatoren notwendig.
Herzinsuffizienz. Wenn die Pumpkraft nachlässt, sammeln sich Flüssigkeit und Müdigkeit. Moderne Medikamente verbessern Prognose und Lebensqualität. Spezielle Schrittmachersysteme können die Pumpfunktion koordinieren. Ursache und Begleiterkrankungen werden gezielt behandelt. Die Therapie wird individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert.
Moderne Behandlungen verständlich erklärt
Stents und Bypass. Stents werden über Katheter eingesetzt, oft mit kurzer Erholungszeit. Ein Bypass leitet das Blut mithilfe körpereigener Gefäße um verengte Stellen herum. Die Wahl hängt von Anatomie, Alter und Begleiterkrankungen ab.

Klappeninterventionen. Kathetergestützte Verfahren ermöglichen bei geeigneten Patienten eine Behandlung ohne große Operation. Sie ergänzen die klassische Chirurgie und erweitern die Optionen.
Ablation bei Vorhofflimmern. Durch gezielte Verödung von Herzgewebe werden elektrische Störquellen ausgeschaltet. Der Eingriff dauert wenige Stunden, die Entlassung erfolgt meist am nächsten Tag.
Implantierbare Geräte. Herzschrittmacher stabilisieren langsame Rhythmen. Defibrillatoren schützen vor gefährlichen schnellen Rhythmusstörungen. Resynchronisationssysteme verbessern die Koordination der Herzaktion.
Sicherheit zuerst: So minimieren Kliniken Risiken
Standardisierte Abläufe erhöhen die Sicherheit. Vor dem Eingriff werden Medikamente, Allergien und Narkoseplanung geprüft. Währenddessen bestätigt das Team alle wichtigen Details. Nach dem Eingriff erfolgt die Überwachung auf spezialisierten Stationen. Klare Entlassungsunterlagen und Notfallkontakte geben zusätzliche Sicherheit.

Kardiale Rehabilitation und ihr Nutzen
Rehabilitation unterstützt die nachhaltige Genesung. Strukturierte Bewegung, Schulungen und ärztliche Begleitung verbessern Belastbarkeit und senken das Risiko erneuter Ereignisse. Viele Programme kombinieren Vor-Ort- und Heimtraining.
Medikamente für den langfristigen Schutz
Cholesterinsenkung. Statine sind Basis der Therapie. Bei Bedarf werden weitere Wirkstoffe ergänzt, um individuelle Zielwerte zu erreichen.
Blutdruckkontrolle. Regelmäßige Messungen und angepasste Medikation schützen Herz und Gefäße langfristig.

Therapie bei Herzinsuffizienz. Mehrere Medikamentengruppen wirken zusammen, um Herz und Nieren zu entlasten. Die Dosierung wird schrittweise angepasst und eng überwacht.
Bildgebung und Labortests
Echokardiografie. Ultraschall zeigt Herzfunktion und Klappenbewegung in Echtzeit.
Koronar-CT. Diese nichtinvasive Untersuchung hilft bei stabilen Beschwerden, das weitere Vorgehen zu planen.
Kardio-MRT und Spezialtests. Sie liefern detaillierte Informationen zu Gewebeveränderungen oder seltenen Erkrankungen.

Vorbereitung auf einen Eingriff
Gute Vorbereitung reduziert Risiken. Nehmen Sie Ihre Medikamente mit, führen Sie eine aktuelle Liste und halten Sie sich an ärztliche Anweisungen zu Blutverdünnern. Informieren Sie das Team über neue Symptome. Kleine Details tragen zu einem sicheren Ablauf bei.
Wie viele Tage sollten Sie einplanen
Der Zeitbedarf variiert je nach Eingriff. Diagnostik dauert oft zwei bis drei Tage. Ein Stent erfordert meist einen kurzen Aufenthalt. Größere Operationen benötigen mehrere Tage Krankenhausaufenthalt und zusätzliche Erholungszeit vor der Rückreise.
Leben nach der Behandlung
Nachsorge ist Teil der Therapie. Sie erhalten Arztbriefe, Medikamentenpläne und Kontrolltermine. Digitale Nachsorge erleichtert den Kontakt nach der Heimreise. Bewegung, ausgewogene Ernährung und regelmäßige Kontrollen sichern den langfristigen Erfolg.

Auswahl von Zentrum und Team
Erfahrung und Transparenz sind entscheidend. Fragen Sie nach Fallzahlen, behandelnden Ärzten und einem klaren Behandlungsplan. Ein strukturiertes Informationsangebot spricht für Qualität.
Kosten und Versicherung
Fordern Sie eine detaillierte Kostenaufstellung an. Diese sollte Diagnostik, Eingriff, Materialien, Aufenthalt und Nachsorge umfassen. Klären Sie frühzeitig die Kommunikation mit Ihrer Versicherung.
Ethik und Einwilligung
Transparente Aufklärung ist Pflicht. Sie sollten Nutzen, Risiken und Alternativen verstehen. Eine zweite Meinung ist jederzeit möglich. Datenschutz und respektvolle Kommunikation sind Teil der Behandlungsqualität.
Abschließende Hinweise
Herzmedizin erfordert Zusammenarbeit. Moderne Technik unterstützt die Behandlung, doch entscheidend ist ein erfahrenes Team. Halten Sie Kontrolltermine ein, bewegen Sie sich regelmäßig und achten Sie auf ausreichenden Schlaf. So sichern Sie den langfristigen Erfolg der Kardiologie und Herzchirurgie.
Quellen
- World Health Organization. Cardiovascular diseases fact sheet, updated July 31, 2025.
- ACC/AHA/HRS. 2023 Guideline for the Diagnosis and Management of Atrial Fibrillation.
- AHA/ACC/HFSA. 2022 Guideline for the Management of Heart Failure.
- ACC/AHA/SCAI. 2021 Guideline for Coronary Artery Revascularization.
- AHA/ACC Chest Pain Guideline 2021.
- ACC/AHA Valve Disease Guideline 2020.
- COAPT Trial five year follow up.
- TRILUMINATE Pivotal Trial results.
- ESC Hypertension Guidelines 2024.
- ESC Guidelines on Cardiovascular Disease Prevention 2021.
- ACC Expert Consensus on LDL lowering therapies 2022.
- Enhanced Recovery After Cardiac Surgery 2024.
- STS Adult Cardiac Surgery Database 2024 update.
- Cleveland Clinic adult cardiac surgery outcomes 2024.
- Cardiac rehabilitation evidence and AHA statements.
- American Heart Association Heart Disease and Stroke Statistics Update 2025.